Malerei bleibt ein Versuch - jenseits von Zeit, Religion und Nation

Vorwort zum Kalender 2007, Eigenverlag, 16.12.2006

Ich bin sehr dankbar auf meinem Weg des Sehens geworden: die Höhlenmalerei in Tarascon, die Altägyptische Portraitmalerei in Kairo, die Gemäldegalerien alter Meister in New York, Paris, London, Madrid, Barcelona, Dresden etc. So sehr ich auch vieles studiert habe, bin ich mir dennoch treu geblieben, im Erlebnis, in der Begegnung von Menschen, sehen zu lernen: ich sehe hin, wen und was ich zeichne.

In der Malerei ist jeder Pinselstrich entscheidend für den Ausdruck des Bildes und viele Fragen drängen sich auf: was ist das, der Mensch, mein Gegenüber, oder was ist diese, meine Wahrnehmungswelt, die ich innerhalb der Zeit des Beobachtens durchschreite? Viele Fragen versuche ich durch das Malen ständig zu beantworten. Wenn ich male, gibt es keine Zeit mehr, nur die Bildfläche, die ich in den Bildraum verwandle. Alle Fragen verformen sich, als entstehe ein Verlust an Fragen, dabei gewinne ich die Erfahrung von Antworten, die auch unbeantwortet als Fragen bleiben können.

Während des Malens wird vieles sonnenklar und gleichzeitig bleibt vieles unklar. Alle Formen stehen hinter- und nebeneinander in der Zeit, sind chaotisch und geordnet.

Die Zeit im Atelier Reithofferwerk Steyr von 2005 bis 2006 ist vorbei, aber auch meine Zeiten in Wien, Linz, Dresden, Hagenberg, Barcelona und in Zukunft auch im Schlossatelier Steyr haben und werden in mir und in meinen Bildern Spuren hinterlassen.

Ein mir lieb gewordener Freund sprach zu mir: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit." So bin ich zweifellos durch Zeiten gegangen, in denen alles wertvoll, und plötzlich wertlos war, nicht arriviert, renoviert, nicht neu gebaut, wie ein neu errichtetes Haus. Die Zeit hat sich in mir zu einem Haus verwandelt. So habe ich dieses Ich, das Mich, möglicherweise verlassen, dieses Ich, das ich geliebt habe. Ich lerne, mir zu verzeihen und breche auf, zu neuen Ufern, zu neuen Bildern, zu neuen Zeiten.